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Antrag: Hebammensprechstunden für Schwalmtal

Unsere Fraktion hat unseren Bürgermeister gebeten, den folgenden Antrag auf die Tagesordnung der kommenden Ratssitzung am 22.06.2021 zu setzen:

Der Rat der Gemeinde Schwalmtal möge folgendes beschließen:

Es wird eine offene Hebammensprechstunde eingerichtet. Die Sprechzeit beträgt in der Pilotphase von 12 Monaten, zwei Stunden/Woche. Die Gemeinde gewährt hierfür eine Anschubfinanzierung, mit einem Stundensatz von etwa 100 € pro Stunde im ersten halben Jahr und 75 € im zweiten halben Jahr. Die Gemeinde stellt einen entsprechend ausgestatteten Raum zur Verfügung. Optimalerweise angebunden an einen Kindergarten. Z.B. im Haus Gorissen oder im Familienzentrum Anna Polmans. Für die Raumausstattung werden 2500 € in den Haushalt 2022 eingestellt.

Begründung:

In den letzten Jahren wurde wiederholt über den drohenden Mangel an Hausärzten in der Gemeinde Schwalmtal berichtet. Hier gibt es diverse Bemühungen der Politik und der Verwaltung in Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten, um eine befriedigende und zukunftsweisende Lösung zu finden. Zu einer adäquaten Primärversorgung der Bevölkerung gehört jedoch auch die Möglichkeit, als werdende, oftmals junge Eltern, Zugang zu einer niederschwellig erreichbaren Hebammenversorgung zu haben.

Hier ist es aber so, dass einer steigenden Zahl von Geburten eine konstant bleibende Zahl an Hebammen gegenübersteht. Zusätzlich arbeiten viele Hebammen lediglich Teilzeit oder geringfügig (vgl. Infos Hebammenkongress). In der Praxis führt das dazu, dass einzelne Hebammenpraxen bereits im April für den gesamten Rest des Jahres ausgebucht sind und keine neuen Patienten mehr aufnehmen können. Dieser Mangel hat dazu geführt, dass etwa 20 % der werdenden, jungen Mütter keine Hebammen-Versorgung haben, und damit auch nicht die entsprechend notwendige peripartale, fachbezogene und auf die emotionalen Bedürfnisse eingehende Betreuung (vgl.: Studie Mangel an Hebammen in Deutschland). Wenn sich die betroffenen Frauen nicht bereits bei der Feststellung der Schwangerschaft um eine entsprechende Hebamme kümmern, so ist eine Anbindung an eine Hebamme gegen Ende der Schwangerschaft nicht mehr möglich. Betrachtet man die rechnerische Größe, sind in der Gemeinde Schwalmtal 30-40 werdende Mütter jährlich nicht durch eine Hebamme versorgt.

In der Praxis bedeutet dies letztlich, dass sich besser situierte und wohlhabendere Schichten eher kümmern können und versorgt sind, während Menschen mit schwierigeren Ausgangsvoraussetzungen oder vorhandener Sprachbarriere ohne Hebamme dastehen. Gerade für vulnerable Familien ist es jedoch von hoher Bedeutung eine niederschwellige, vertrauliche und kostenfreie Hebammenversorgung vor Ort zu finden.

Die offene Hebammensprechstunde soll dazu dienen, Frauen, die nicht mit einer Hebamme versorgt sind, ein entsprechendes Hilfsangebot zu machen. Vernetzt mit den Gynäkologen/Kinderärzten und den Ehrenamtlern von Asylkreis, Bündnis für Familie sowie den geburtshilflichen Kliniken der Umgebung und der Gemeindeverwaltung kann dieses Angebot Lücken schließen und dient der unmittelbaren Gesundheitsprävention von Mutter und Kind. Ein unmittelbar an den Kindergarten angeschlossenes Angebot ist in einem adäquaten und angenehmen Umfeld und niederschwellig zugänglich. Unter Umständen besteht die Möglichkeit mit der FHS Niederrhein zu kooperieren, die einen neuen Ausbildungsgang Hebammenwissenschaft beginnt.

Räume können synergistisch genutzt werden und die notwendige technische Ausstattung ist überschaubar (Eine Liege, gute Beleuchtung, CTG Gerät und Schreibtisch/Gesprächstisch, Blutdruckmessgerät und Taschendoppler). Bis die Sprechstunde sich selber trägt, soll die Gemeinde eine überbrückende Finanzierung sicherstellen.

 

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