artgerechte Haltung

Mehr Tierschutz für NRW

REttungsschirm, also ein Sonnenschirm vor einem Hühnerstall

Schwalmtaler Grüne haben einen Rettungsschirm für die Vergessenen aus der „modernen“ Haltungsform aufgespannt. Was witzig klingt, ist leider alles andere als ein Witz.

“Rettet das Huhn” ist ein Verein, der bereits 2007 gegründet wurde. Auslöser war damals der Gedanke, wie man 3000 Hennen in einer Legebatterie vor dem Geflügelschlachthof bewahren könnte. Im Laufe der Zeit wurde die Initiative immer bekannter und immer mehr Menschen engagierten sich für den Verein. In vielen Bundesländern gründeten sich ebenfalls solche Initiativen zur Hühnerrettung. Und seit diesem Jahr gibt es nun auch Hühnerrettung NRW mit Sitz in Mönchengladbach.

Von der Legemaschine zum glücklichen Huhn

Einige der Hühner aus der ersten Rettungsaktion des Vereins leben nun bei Susanne und Thomas Nieberding und dürfen sich ab sofort ihres Lebens freuen. D.h. vor allem: Sie sehen Tageslicht, erleben einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus, legen Eier oder auch nicht, werden abwechslungsreich ernährt und haben eigentlich nur eines zu tun: Artgerecht leben.

Die adoptierten Hühner sind – bzw. waren – sogenannte Legehybriden, eine wirtschaftlich orientierte Züchtung, die auf eine hohe Ei-Lege-Zahl und ein hohes Ei-Gewicht hin gezüchtet werden. Damit sie möglichst schnell, möglichst viele Eier legen, mutet man ihnen Qualen zu, über die wir nicht nachdenken wollen, wenn wir unser Frühstücksei aus „Bodenhaltung“ essen.

Kein Auslauf, künstliches Licht, die Hennen sind nie im Freien, Lichtprogramme täuschen eine verlängerte Tagesdauer vor, um die Eiproduktion anzuregen. Diese Eiproduktion im Akkord hält so eine Henne ca. 1,5 Jahre aus, dann lässt die Legeleistung nach, die Hennen werden wirtschaftlich uninteressant und werden geschlachtet.

Es sei denn, sie werden gerettet.

Tierschutz in NRW ausbauen

Die artgerechte Haltung von Nutztieren muss auch ein politisches Thema sein. Die Grünen wollen den Tierschutz in NRW ausbauen und unterstützen.

Nach § 1 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. In § 2 TierSchG ist festgelegt, „wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.“

Wir müssen an dieser Stelle nicht darüber reden, dass dieses Gesetz längst nicht überall so eingehalten wird, wie es sein sollte. Es wird dringend nötig, dass mehr darauf geachtet wird, dass Tiere wirklich tierschutzgesetzkonform gehalten werden.

Massentierhaltung hat mit Artgerechtigkeit gar nichts mehr zu tun. Tiere haben Grundbedürfnisse, die sie oft lebenslang nicht ausleben können. Um bei den Hühnern zu bleiben: Hühner scharren gerne. Dafür haben die Legehennen in Bodenhaltung aber so gut wie keinen Platz.

Freiland- statt Bodenhaltung

Dass es auch anders geht, davon konnten wir uns in dieser Woche überzeugen. Gestern, am 18. Mai haben wir die Freiland-Hühnerhaltung mit zwei mobilen Ställen bei Familie Toerschen in Amern besichtigt und Manfred Toerschen hat uns bereitwillig alles erklärt und unsere Fragen beantwortet.

Was hat Sie zu dieser Art der Haltung bewogen?

„Begonnen hat alles ganz klein mit etwa 50 – 80 Hühnern, die sie direkt auf dem Hof gehalten haben. Ein Artikel in der Bauernzeitung machte uns dann auf den mobilen Hühnerstall aufmerksam. Wir haben uns einen solchen Stall angesehen und waren begeistert. Für einen Stall reichen ca. 1,5 Hektar Fläche, um das Hühnermobil ein ganzes Jahr zu verstellen. Wenn ein Bereich um den Stall abgefressen ist, wird er mit zwei Traktoren ins nächste Grünland gezogen. Der Boden kann sich erholen und wird neu eingesät.“

Wie funktioniert das nun alles genau?

„Die Hühner werden mit 17 Wochen gekauft und eingestallt, mit 22 Wochen beginnen sie zu legen. Sie brauchen vorher eine Gewöhnungszeit an den Stall. Wir halten auch immer Hähne bei den Hühnern, und auf den Wiesen stehen große Anhänger, die ihnen Schatten spenden und unter denen sie Zuflucht vor dem Greifvogel finden.

Pro Stall halten wir 1000 Hühner, es dürften mehr sein, aber es ist gesünder und besser, wenn die Tiere mehr Platz haben. Die Fütterung der Tiere mit einem Weizen-Maisgemisch geschieht automatisch, sie haben jederzeit Zugang zu Futter, Wasser, großzügigen Scharrbereichen mit ausreichend Stroh als Beschäftigungsmaterial und freiem Auslauf.

Die Eier werden in Legenester gelegt und rollen dann auf ein kleines Förderband in den Vorraum des Stalles hier werden sie dann eingesammelt. Auf dem Hof werden sie sortiert und gestempelt (Freilandhaltung). Die Tiere werden regelmäßig tierärztlich überwacht und die Veterinärbehörden kommen unangemeldet, um sich einen Eindruck vor Ort zu verschaffen.

Wie ist es mit dem Preisdruck?

„Unsere Eier kosten – je nach Größe – zwischen 20 und 35 Cent je nach Größe. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es funktionieren kann, Eier für 10 Cent zu produzieren. Das ist für uns unmöglich. Einem Preisdruck können wir uns nicht beugen. Wir verkaufen unsere Eier zu einem fairen Preis. Nicht mehr und nicht weniger.

Wie vermarkten sie die Eier?

50  – 60 % verkaufen wir über unseren Hofladen, der Rest wird über die Familie auf Wochenmärkten verkauft.

Lieber Herr Toerschen, vielen Dank für das sehr informative und offene Gespräch! Würden doch nur mehr Erzeuger denken und handeln wie Sie.

 

 

Schwarz-Gelb: Rückschritte statt Fortschritt

Wir Grüne wollen, dass alle Tiere, die von Menschen gehalten werden, artgerecht gehalten werden. Dieses gesetzlich verankerte Recht der Tiere müssen wir endlich durchsetzen. Aber wir sind noch weit davon entfernt:

küken dicht an dicht2013 hat NRW unter dem grünen Umweltminister Johannes Remmel als erstes Flächenland ein Verbandsklagerecht für Tierschutzvereine eingeführt. Das bedeutete, dass Tierschutzvereine z.B. klagen konnten, wenn sie Tierwohl gefährdet sahen. Außerdem hat sich damals auf Initiative der rot-grünen Landesregierung der Bundesrat für ein gesetzliches Verbot der massenhaften Tötung von männlichen Küken ausgesprochen.

Aber dann kam Schwarz-Gelb. Nach und nach wurden wichtige tierschutzpolitische Errungenschaften wieder abgebaut und im Gegenteil tierschutzwidrige Praktiken unterstützt. (z.B. die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration).  Die CDU/FDP-Koalition zog das Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände wieder zurück und bis heute duldet die Landesregierung das Amputieren von Ferkelschwänzen und Schreddern von männlichen Küken. Tja, und dann kam Armin Laschet und seine Regierung schaffte erst mal die Stabstelle Umweltkriminalität im Umweltministerium ab, die sich zuvor auch mit  Tierschutzvergehen befasst hatte. In Sachen Tierschutz stehen wir heute also wieder ungefähr dort, wo wir vor zehn Jahren schon einmal waren.

Die Grünen wollen den Tierschutz in NRW deutlich vergrößern. Unser Land soll führend werden, wenn es um den Schutz aller Tiere geht. Die konkreten 15 Forderungen unserer Landespartei könnt ihr hier nachlesen. 

Für uns Grüne ist klar, dass Tierschutz einen festen gesellschaftlichen Stellenwert hat und dass eine gute und artgerechte Haltung Grundvoraussetzung für die Akzeptanz landwirtschaftlicher Nutztierhaltung sein muss. Wir Grüne wollen uns politisch für mehr Tierschutz und für die Tiere einsetzen. Und auch im Alltag tun wir bei uns im Ortsverband Schwalmtal ebenfalls, was wir können. Und wir wissen von vielen Schwalmtaler Bürger*innen, dass sie sich ebenfalls auf vielfältige Weise für Tiere einsetzen und versuchen, nicht auf Kosten der Schwächeren zu leben.

Es hat nicht jede*r Platz, um gerettete Hühner aufzunehmen, und auch nicht jede*r is(s)t so konsequent wie die Veganer*innen unter uns. Aber bei der Prämisse „Wenn Tierprodukt, dann nur aus guter, artgerechter Haltung“ – da sind wir uns sicher alle einig.

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