BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Nelkenweg 2
41366 Schwalmtal
Tel. 02163-20 17 64
Fax 02163-20 17 65
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Zum Beschluss des Kreistags, den Geschwisterrabatt bei den Kindergartengebühren zu streichen, meint die Kreistagsabgeordnete und Mitglied im Jugendhilfeausschusses Maria Beiten (Grüne):
"Der Kreis Viersen hat verpasst Familienfreundlichkeit mit einer tatsächlichen politischen Handlung zu beweisen. Mit viel Engagement haben wir verhindert, dass der Kreisjugendhilfeausschuss den Vorschlag der Kreisverwaltung, Gebühren für Geschwisterkinder in Kindertagesstätten zu erheben, annimmt.“
Jetzt hat der Kreistag den Vorschlag des Jugendhilfeausschusses mit den Stimmern von CDU und FDP gekippt. Der grünen Fraktion lagen ca. 300 Unterschriften aus Kindergärten vor, die für den Beschluss des Jugendhilfeausschusses warben. Vergeblich!
Familienfreundlichkeit für die CDU im Kreis steht nur auf dem Papier!"
Zum Streitfall
"Kita-Gebühren" im Kreisjugendhilfeausschuss schrieb die Kreistagsabgeordnete und Schwalmtaler Ratsfrau Maria Beiten am 28. November:
"Der Kreisjugendhilfeausschuss hat am Mittwochabend, mit Beteiligung der Grünen, den Vorschlag der Kreisverwaltung abgelehnt, Gebühren für Geschwisterkinder in Kindertagesstätten zu erheben.
Die Landesregierung hat beschlossen, das letzte Kindergartenjahr beitragsfrei zu stellen.
Alt: bisher galt folgende Regelung: Besuchen zwei oder mehrere Kinder einer Familie eine Kindertageseinrichtung, zahlen Eltern einen Betrag für das erste Kind und die Geschwisterkinder sind beitragsfrei.
Neu: Besucht ein Kind einer Familie eine Kindertageseinrichtung, ist das letzte Kindergartenjahr gebührenfrei.
Besucht ein Geschwisterkind gleichzeitig die Einrichtung, zahlt die Familie keine Elternbeiträge.
Kreisverwaltung: Vorschlag, der abgelehnt wurde:
Im letzten Kindergartenjahr des 1. Kindes bei gleichzeitigem Besuch eines weiteren Geschwisterkindes zahlt die Familie einen Elternbeitrag für das Geschwisterkind.
Hieraus ergibt sich:
Eltern mit einem Kind schöpfen die volle Beitragsfreiheit im letzten Kindergartenjahr aus.
Hat eine Familie zwei Kinder im Kindergarten, zahlt sie für das 2. Kind Gebühren.
Nur Mehrkindfamilien würden Gebühren zahlen.
Ziel des beitragsfreien Kindergartenjahres:
Für die Schulvorbereitung sollen Familien, die aus finanziellen Gründen ihre Kinder nicht in die Einrichtungen schicken, motiviert werden ihre Kinder im letzten Kindergartenjahr in den Kindergarten zu geben.
Falls noch ein Geschwisterkind angemeldet werden könnte, wäre für diese Familie die gesamte Betreuung ihrer Kinder kostenlos.
Gerade Migrantenfamilien (mit Sprachproblemen) und Familien mit kleinem Budget profitieren besonders von dieser Beitragsfreiheit."
Der Kreis streicht Geschwisterkindern die Ermäßigung in Kindertagesstätten, wenn ein Kind vom Land im letzten Kita-Jahr beitragsfrei gestellt ist. Die SPD und die Grünen geißeln diese Haltung als „unsozial und familienfeindlich“.
VON LUDGER PETERS
Kreis Viersen. Mit den Stimmen von CDU und FDP hat der Kreistag beschlossen, Familien die Geschwisterkind-Ermäßigung zu streichen, wenn ein Kind im beitragsfreien letzten Kindergarten Jahr ist. Mit der Einnahme in Höhe von 200 000 Euro, die die Kreisverwaltung damit erwartet, sollen U-3-Plätze im Jugendamtsbereich ausgebaut werden. Die Entscheidung enthält politischen Sprengstoff und stieß bei SPD, Grünen und Links-Partei auf heftige Kritik.
Der Jugendhilfeausschuss hatte den Verwaltungsvorschlag im November verworfen. Der U-3-Ausbau sei Sache des Landes. Befremdlich sei es, ausgerechnet „Mehrkinderfamilien“ eine mögliche stärkere Entlastung vorzuenthalten und sie zur Finanzierung der U-3-Plätze heranzuziehen. Vor allem die im Fachausschuss vertretenen Träger hatten dem Verwaltungsvorschlag nicht folgen wollen. In der Folge entzündete sich eine heftige politische Kontroverse um das Thema.
Im Kreistag spitzte sich der Konflikt zu, weil die SPD das Thema vertagen wollte. Die von Sozialdezernent Ingo Schabrich kurzfristig hinzugefügte Tischvorlage müsse in den Fraktionen beraten werden. „Sie wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet“, erklärte Schiefner. Ihm fehle unter anderem die konkrete Planung von U-3-Plätzen und die Stellungnahme der jeweiligen Träger zur Planung.
Schiefner bezeichnete das Vorgehen der Kreisverwaltung als „unsozial“. Aus den Tabellen gehe hervor, dass Familien mit einem Einkommen ab 16 000 Euro zwischen 25 und 30 Euro monatlich zu zahlen hätten, wenn ihnen die Geschwisterermäßigung gestrichen werde. „Das ist für solche Familien sehr viel Geld“, erklärte er. Im übrigen gleiche das Land die entgehenden Beiträge des letzten Kindergartenjahres aus.
Nicht überzeugend fand Schiefner auch eine rechtliche Stellungnahme der Kreisverwaltung, an die sich CDU und FDP gebunden fühlten. Die Satzung müsse jetzt geändert werden, den Eltern werde auch kein Geld vorenthalten, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Aach. Ähnlich hatte auch Sozialdezernent Ingo Schabrich argumentiert. Es sei falsch, wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werde, der Geschwisterrabatt werde vollends gestrichen. Schiefner wolle der Öffentlichkeit weismachen, dass Eltern im Kreis benachteiligt werden, meinte auch die FDP-Fraktionsvorsitzende Irene Wistuba. Auf Basis der Rechtsauskunft des Kreises wolle die FDP jedenfalls kein unnötige Klagerisiko eingehen.
CDU und FDP lehnten den Vertagungsantrag ab, auch weil sie der Landesregierung trauen. Die Verteilung der zugesicherten Mittel sei ihnen zu ungewiss, erklärten beide Fraktionen.
Gepflogenheiten
Vertagung In der Regel wird der Bitte einer Fraktion entsprochen, die um Vertagung einer Angelegenheit bittet, wenn sich neue Sachverhalte ergeben.
Beschluss CDU und FDP verwehrten der SPD die Bitte mit Hinweis auf rechtliche Bedenken der Kreisverwaltung. Die SPD wies dies sehr verbittert zurück. Sie habe unter anderem von der Landesregierung einen gegenteilige Auskunft.
KOMMENTAR
Bündnis der G 8 steht vor dem Ende
Das Bündnis der vier Kreistagsfraktionen CDU, SPD, Grüne und FDP hat einen tiefen Riss. Ob der Zwist um die Geschwisterermäßigung in Kindertagesstätten bereits den Bruch provoziert, bleibt abzuwarten. Aber in der Kreistagssitzung prallten die früheren Lager SPD und Grüne einerseits sowie CDU und FDP andererseits heftiger aufeinander als in den zurückliegenden beiden Jahren. Nach der Kommunalwahl 2009 hatte sich die selbstironisch „G 8“ benannte Runde der Partei- und Fraktionsvorsitzenden auf Kreisebene gebildet. Die CDU wollte damit ein Zeichen für Verlässlichkeit setzen, ein starkes Gestaltungsbündnis schaffen und sich abgrenzen von zumindest zweifelhaften demokratischen Kräften im Kreistag. Die drei anderen Fraktionen machten nach einigem Zögern mit. Die Haushaltsberatungen 2010 und die Leitzieldiskussion der Wirtschaftsförderungsgesellschaft sind die markantesten Ergebnisse dieser Zusammenarbeit. Inzwischen kommt immer mehr Sand ins Getriebe, und die alten Sprüche, die jeweils anderen wäre ja nicht mehr soooo interessiert, sind hinter vorgehaltener Hand zu hören. Der Krach um die Kita-Beiträge im Kreistag hätte vermieden werden können. Wenn es vor der Sitzung keine verlässliche Absprache in den vier Fraktionen zu diesem Konfliktthema gegeben hat, ist das ein Zeichen für den rapiden Zerfall des Bündnisses. Es mag sein, dass ein paar Hardliner hier wie dort triumphieren. Verlierer ist am Ende aber immer der Bürger, weil bewiesen wurde, dass es anders ginge. LUDGER PETERS
Publikation | Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH |
Lokalausgabe | Rheinische Post Viersen |
Erscheinungstag | Samstag, den 17. Dezember 2011 |
Seite | 15 |
Fortschritt auf der einen, Stagnation auf der anderen Seite, sozial- und jugendpolitisch bleibt Schwalmtal abhängig von Entscheidungen auf anderer Ebene. Lesen Sie hier mehr zu den neuen Jugendtreffpunkten in Amern, zur mobilen Jugendarbeit oder zum nicht so richtig funktionierenden Bildungs- und Teilhabepaket. CDU-MdB Uwe Schummer wollte ja mal aus dem Kreis Viersen eine Modellregion machen...weiter
Schwalmtal (biro) Der Schwalmtaler Verein „Bündnis für Familie“ wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe für Fehler im „Familienkompass“ nicht um Entschuldigung gebeten. Die Physiotherapeutin Anna Gertrud Stephan, deren Eintrag im „Familienkompass“ falsch abgedruckt worden war, hatte in einem Leserbrief Kritik an dem Verein geübt. „Unserem Verein sind bei der Erstellung des Familienkompasses Fehler unterlaufen. E-Mail-Adressen und Telefonnummern hatten sich zwischenzeitlich geändert. Bei Frau Stephan ist es bedauerlicherweise, ohne dass das jemand gewollt hätte, zu einer falschen Eintragung gekommen bezüglich ihrer Kassenzulassung“, teilte der Verein gestern in einer Stellungnahme mit. Man verweise dazu auf die Internetseite von Frau Stephan.
„Jedem würde so etwas leid tun“
„Für unseren Fehler hat sich Frau Beiten (die 1. Vorsitzende des Vereins „Bündnis für Familie“, Anm. d. Red.), auch wenn Frau Stephan das so offensichtlich nicht empfunden hat, entschuldigt. Jedem würde solch ein Fehler leid tun, erst recht, wenn der Betroffenen daraus möglicherweise Schaden entstehen kann“, so der Verein weiter. „Wir weisen die Frau Beiten gemachten Vorwürfe ausdrücklich zurück. Gleichzeitig entschuldigen wir uns noch einmal für die Fehler, besonders bei Frau Stephan, die uns bei der Erstausgabe des Familienkompasses passiert sind. Wir werden alles, was in unseren Kräften steht, tun, um Schaden von Frau Stephan abzuwenden bzw. wieder gut zu machen.“ Der weitaus größte Teil der bislang ausgegebenen Exemplare der Broschüre sei an Eltern von Kindergartenkindern gegeben worden. Die ausliegenden Exemplare habe der Verein eingesammelt und sei derzeit dabei, ein Blatt mit den notwendigen Korrekturen zu erstellen. Bei der 2. Ausgabe des Familienkompasses werde der Verein alle Änderungswünsche berücksichtigen, die die Initiatoren bis dahin erreichten. Der Vorstand bedanke sich bei der Arbeitsgruppe „Familienkompass“ für die Mühe, die sie in die Erstellung der Broschüre investiert habe. In der Bevölkerung sei das Heft positiv aufgenommen worden.„Gemachte Fehler sind dazu da, dass man sich dafür entschuldigt und dass man für die weitere Arbeit daraus lernt. Das eine haben wir mit dieser Stellungnahme noch einmal getan, um das andere werden wir uns bemühen“, teilt Hermann-Josef Güldenberg, 2. Vorsitzender, für den Vorstand des Vereins „Bündnis für Familie“ mit
Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH |
Rheinische Post Viersen |
Dienstag, den 19. April 2011 |
S. 16 |

Als Betroffene möchte ich zu dem Artikel Stellung nehmen. Ich will in keinem Fall dem „Bündnis für Familie“ und den ehrenamtlichen Mitgliedern ihren guten Willen in Abrede stellen. Im Gegenteil, ich war selbst lange Jahre ehrenamtlich tätig und kenne dadurch die immense Arbeit, welche auch die Verpflichtung, welche damit einher geht, korrekt zu recherchieren. Im Familienkompass stand: „Keine Kassenzulassen, keine Rezepte, nur privat“. Woher die Verfasser diese Aussage hatten, ist mir schleierhaft, denn ich arbeite seit 15 Jahren in Waldniel mit Kassenzulassung (siehe meine Website sowie Schilder am Haus). Das zum Thema Recherche! Der Artikel impliziert, dass ich sofort zum Anwalt gelaufen bin. Das ist nicht richtig. Ich habe nach Kenntnisnahme dieses groben Fehlers drei Tage lang in mehreren Telefonaten versucht, diese Situation mit dem Verein, sprich Frau Beiten, zu klären. Leider war das nicht möglich. Bis heute habe ich noch nicht einmal eine Entschuldigung für diesen existenzgefährdenden Eintrag erhalten. Erst dann wandte ich mich an einen Rechtsanwalt. Ich erwarte selbstverständlich Richtigstellungen, welche die Bevölkerung auch erreichen. Zum Thema Schadensersatz schrieb mein Anwalt am 13. April Frau Beiten Folgendes: „Lediglich die Höhe des bisher eingetretenen Schadens steht nicht fest. Möglich ist, dass sich dieser lediglich in einem marginalen Bereich bewegt.“ Ich bin tief betroffen über die Verdrehungen und Verzögerungen des Vereins und frage mich, ob es heute üblich ist, sich nicht mehr für Fehler zu entschuldigen und Schadensbegrenzung so schnell wie möglich einzuleiten.
Anna Gertrud Stephan,
Praxis für Massage und manuelle Lymphdrainage Markt 3, Waldniel
| Publikation | Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH |
| Lokalausgabe | Rheinische Post Viersen |
| Erscheinungstag | Samstag, den 16. April 2011 |
| Seite | 20 |

Pünktlich zur Mitgliederversammlung am 24. Februar wurde das erste "Kind" des Bündnisses für Familie geboren. Vereinsvorsitzende und grüne Ratsfrau Maria Beiten, Hauptkoordninator Joachim Hambücher und Schwalmtals stellvertetender Bürgermeister Kurt van der Flierdt stellten es Anfang März der Öffentlichkeit vor. Es ist ein Junge und heißt
Familienkompass für Schwalmtal. Er gibt Orientierung bei der Suche nach Angeboten und Ansprechpartnern. Wo finde ich den passenden Arzt? Wo kann ich mich in Erziehungsfragen beraten lassen? Wo finde ich Familienzentren? In gedruckter Form ist er bei Banken, Sparkassen in Apotheken und beim Bürgerservice erhältlich. Lesen Sie hier mehr zur Geschichte des Schwalmtaler Familienbündnisses.
Grenzlandnachrichten und
Rheinische Post berichteten Anfang März.

Schwalmtal (biro) Ein Jahr nach Vereinsgründung konnte das Schwalmtaler Bündnis für Familie 17 von 34 Mitgliedern bei der Mitgliederversammlung im Waldnieler Bürgerhaus begrüßen. Viele Projekte, die das Bündnis, das 2008 als lockerer Zusammenschluss Ehrenamtlicher in Schwalmtal ins Leben gerufen wurde, damals anging, wurden durch den Verein fortgeführt, so dass die 1. Vorsitzende Maria Beiten bei der Versammlung den Mitgliedern stolz gute Resultate präsentieren konnte.
Babysitterkurse für Senioren
Unter anderem brachte das Bündnis den „Familienkompass“ heraus, den Joachim Hambücher ehrenamtlich koordinierte (die RP berichtete), konnte der Arbeitskreis „Familienfreundliche Unternehmen“ seine Arbeit vor Ort fortsetzen. Die Schwalmtalzupfer gaben im Sommer 2010 ein Benefizkonzert für die Arbeit des Bündnisses, ein Demenzkursus zum Umgang mit Demenzkranken fand in Schwalmtal großen Anklang. Derzeit arbeitet das Bündnis an einer eigenen Homepage, die im April unter der Adresse
www.familienbuendnis-schwalmtal.de online gehen soll. Als neue Kassenprüferin für Dietlind Bielefeld wählten die Mitglieder Petra Malo. Xaver-Lorenz Vetterle erweitert als Beisitzer den Vorstand. Auch warf die Versammlung einen Blick nach vorn: Unter anderem will der Verein einen Babysitterkursus für Senioren initiieren, um die Möglichkeit der „Großelternpatenschaften“ oder der Tagespflege zu erweitern. Auch eine telefonische Rechtsberatung für Jugendliche, die etwa mit Handy-Verträgen zu kämpfen haben sowie ein Projekt mit Senioren und Schülern der Janusz-Korczak-Realschule Waldniel sind geplant. Intensiv diskutiert wurde auch die Betreuungssituation von Kindern, die im August den Kindergarten verlassen, dann aber bis zur Einschulung einige Wochen lang nicht betreut werden können - für Eltern eine schwierige Situation. Für diese Kinder möchte das Bündnis nun ein Betreuungsangebot schaffen. „Es gibt eine große Lücke von rund fünf Wochen zwischen dem Ende des Kindergartenjahres und dem Beginn des Schuljahres“, erklärt Maria Beiten. Derzeit lote man Möglichkeiten aus, welche Form der Betreuung geeignet wäre, um diese Lücke in diesem Jahr zu schließen. Eventuell sei eine Kooperation zwischen Bündnis für Familie, offenem Ganztag und Familienzentren möglich.
Publikation Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Lokalausgabe Rheinische Post Viersen Erscheinungstag Samstag, den 05. März 2011 Seite 12

Den gesetzlichen Anspruch in der Kinderbetreuung erfüllt der Kreis im Bereich seines Jugendamtes. Allerdings gibt es in Einrichtungen immer noch Defizite, weil ihre Öffnungszeiten nicht mit dem Berufsleben Schritt halten. Die Tagespflege gewinnt dadurch an Bedeutung. VON LUDGER PETERS
Kreis Viersen Im Bereich des Kreisjugendamtes werden die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Plätze für Kinder im Vorschulalter innerhalb der vorgeschriebenen Zeit erfüllt. Das gilt auch für Kinder unter drei Jahren. Ob das reicht, den spürbar steigenden Bedarf zu erfüllen, steht auf einem anderen Blatt. Kinder- und Jugenddezernent Ingo Schabrich setzt aber darauf, dass die Tagespflege künftig eine noch stärkere Bedeutung haben wird.
Unter Leitung des Vorsitzenden Thomas Paschmanns beschloss der Jugendhilfeausschuss den Bedarfsplan der Kinderbetreuung 2011. Zuständig ist der Kreis im mit dieser Aufgabe für Nettetal, Tönisvorst, Schwalmtal, Brüggen, Grefrath und Niederkrüchten. Im nächsten Jahr wird Nettetal aller Voraussicht nach ein eigenes Jugendamt betreiben. Die Politiker dankten dem Jugendamt und Hannes Vilcans, unter dessen Federführung das umfangreiche Werk ausgearbeitet wurde.
Es gibt kaum noch einen Mangel an Plätzen für Kinder im Vorschulalter. Vielmehr richteten die Politiker ihr Augenmerk deutlich auf Strukturen und Qualität der Einrichtungen. So warf Maria Beiten (Grüne) die Frage auf, wie das Kreisjugendamt reagiere, wenn Angebot und Bedarf von Tageseinrichtungen nicht übereinstimmten. Eltern werde eine immer größere berufliche Flexibilität abverlangt. Es gebe aber Einrichtungen, deren Öffnungszeiten morgens und nachmittags mit diesen Bedingungen nicht Schritt hielten. Vilcans bestätigte dies. Er wies aber darauf hin, dass Einrichtungen immer mit mindestens zwei Mitarbeitern besetzt sein müssten. Es sei wirtschaftlich nicht darstellbar, für ein einzelnes Kind Öffnungszeiten zu verlängern. Dezernent Schabrich hakte hier mit dem Hinweis ein, dass die Tagespflege in solchen Fällen eine sehr wichtige Alternative geworden sei. „Sie ist mittlerweile für viele Eltern erste Wahl, weil Tagesmütter flexibler als Einrichtungen sein können.“ Sie seien keinesfalls im Vergleich zweitklassige oder nur ergänzende Angebote, sondern echten Alternativen. Rückmeldungen von Eltern hätten das in jüngerer Vergangenheit bestätigt.
Die Kreismitarbeiter bestätigten die Anmerkung Beitens, dass Familienzentren sich auch mieten ließen, also entsprechende Betreuungsformen zusätzlich organisiert werden könnten. Lieber aber seien ihr die üblichen professionellen Strukturen, erklärte sie.
Sorgen bereitet Eltern die zeitliche Lücke im Sommer, die sich für Kinder ergibt, die den Kindergarten verlassen und eingeschult werden. Nicht in allen Fällen gebe es überhaupt Ferienbetreuungen. Und manche seien nicht so flexibel organisiert, dass angehende Schulkinder beispielsweise Ferienangebote Offener Ganztagsgrundschulen besuchen dürften. Schabrich bestätigte, dass der Kreis sich generell bemüht, Einrichtungen - beispielsweise auch für Jugendliche - zu Öffnungszeiten zu bewegen, die dem gesellschaftlichen Wandel entsprechen.
Zahlen im Westkreis
Brüggen Es gibt 449 Plätze in 22 Gruppen. Bei den Kinder über drei Jahren besteht insgesamt ein Überhang von 25 Plätzen, wobei in Bracht neun Plätze fehlen. Niederkrüchten 530 Plätze in 26,5 Gruppen. In der Gemeinde besteht ein Überhang von 38 Plätzen für Kinder ab drei Jahren (betrifft Elmpt). Schwalmtal 579 Plätze in 29 Gruppen. Gemeindeweit gibt es einen Überhang von 30 Plätzen
Publikation Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Lokalausgabe Rheinische Post Viersen Erscheinungstag Freitag, den 04. Februar 2011 Seite 17
Die Zahl der Kindergartenplätze für Unter-Dreijährige wächst weiter. Hatte die Gemeinde Schwalmtal im Vorjahr noch 67 U3-Plätze kalkuliert, rechnet sie zum neuen Kindergartenjahr mit 84.
Von Birgitta Ronge
Schwalmtal Zum neuen Kindergartenjahr ab Sommer 2011 wird sich auch die Struktur in den Schwalmtaler Kindergärten ändern. 534 Plätze für Drei- bis Sechsjährige weisen die Pläne für das laufende Kindergartenjahr aus. Hinzu kommen 67 Plätze für Unter-Dreijährige. Ab August weist der Kindergartenbedarfsplan insgesamt 22 Plätze weniger aus - 39 Regelplätze für Drei- bis Sechsjährige weniger, dafür aber statt 67 U3-Plätzen insgesamt 84.
Die Zahlen bilden eine Entwicklung ab, die sich den Prognosen zufolge in den kommenden Jahren noch verstärken wird: Zwar werden insgesamt weniger Kinder geboren (und damit sinkt auch der Bedarf an Regelplätzen im Kindergarten), gleichzeitig aber gehen Kinder immer früher in den Kindergarten, weil beide Eltern arbeiten wollen oder müssen. Da für die Kleinsten mehr Platz, etwa für Ruheräume und Wickeltische, benötigt wird, wurde im vergangenen Jahr in den Schwalmtaler Kindergärten kräftig umgebaut. Zudem benötigen die Kleinsten mehr Betreuung, so dass trotz insgesamt sinkender Kinderzahl der Personalbedarf leicht steigt.
Für Kinder bis zu einem Jahr besteht offenbar bislang kaum Betreuungsbedarf. Der Planung zufolge rechnet man mit zwei Prozent der Bis-Einjährigen, die dann in Tagespflege gegeben werden könnten. Bei den Ein- bis Zweijährigen liegt der Bedarf rechnerisch bei 15 Prozent, von denen 12 Prozent durch Kindertagesstätten, drei Prozent durch Tagesmütter betreut werden könnten. Für gut die Hälfte der Zweijährigen jedoch wird ein Kindergartenplatz eingeplant, so dass immer mehr Gruppen als TypI-Gruppe (20 Kinder zwei bis sechs Jahre, darunter höchstens fünf U3-Kinder) gebildet werden. Plätze für Kinder unter drei Jahren werden in allen Schwalmtaler Kindergärten angeboten, meist in TypI-Gruppen. Die Familienzentren Anna Polmans und Nottbäumchen führen sogar jeweils eine TypII-Gruppe mit je zehn Plätzen für Ein- bis Dreijährige.
Grundsätzlich sei der Plan, den der Kreis nach Absprache mit den Kommunen fertige, für Schwalmtal positiv, erklärte Vorsitzender Hermann-Josef Güldenberg dem Jugend- und Sozialausschuss, „bislang konnten alle Wünsche von Eltern realisiert werden“. Leichte Überhänge werden einkalkuliert, so stehen zum neuen Kindergartenjahr dem errechneten Bedarf von 465 Kindern 495 Plätze gegebenüber, bei den Unter-Dreijährigen steht dem errechneten Bedarf von 79 Plätzen ein auf 85 Plätze erhöhtes Angebot gegenüber. Sollte die Nachfrage größer sein als das bestehende Angebot, können Eltern Tagespflege in Anspruch nehmen
Amern Anna Polmans rechnet für 2011/2012 mit 15 U3-Plätzen, Vogelsrath mit fünf, Dilkrath mit 8, Hoferland mit zehn
Waldniel Lüttelforst plant drei U3-Plätze ein, Waldnieler Heide zehn, Schier ebenfalls zehn, St. Michael fünf, die Kita Kaiserpark acht und Nottbäumchen zehn
Gesamt Dem Bedarfsplan zufolge stehen in Schwalmtal 84 U3-Plätze zur Verfügung
Publikation Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Lokalausgabe Rheinische Post Viersen Erscheinungstag Donnerstag, den 03. Februar 2011 Seite 18
| Rund 50 Gäste fanden am 25. Februar den Weg in den Bürgersaal der Gemeinde Schwalmtal, um dem Verein „Schwalmtaler Bündnis für Familie e.V." zu einem erfolgreichen Start zu verhelfen. | ||
| Schwester Jordana vom Kinder- und Jugenddorf Bethanien eröffnete die Veranstaltung und erzählte zu Beginn, wie schön es doch sei, in Schwalmtal leben und arbeiten zu können. Sie führte gleichzeitig unterhaltsam und mit Tiefgang durch den Abend. | ||
| Mit musikalischen Darbietungen begeisterte die Geigerin Dunja Haurenherm, die von ihrer Mutter Su-In am Klavier begleitet wurde. | ||
| Bürgermeister Reinhold Schulz legte in seiner Begrüßung noch einmal ausführlich und nachdrücklich dar, wie wichtig auch für ihn in Zeiten des demografischen Wandels das Bündnis für Familie in Schwalmtal sei. | ||
| Die Mitinitiatorin Maria Beiten führte durch die Entstehungsgeschichte des Bündnisses und erläuterte die bereits bestehenden Arbeitsgruppen und Projekte. | ||
| Sie stellte die Gründe dar, die zur Wahl des Vereinsstatus geführt hätten. Hermann Josef Güldenberg erklärte die vorläufige Satzung. Ein wichtiges Ziel sei es, das Bündnis als Selbsthilfeverein stärker in der Bürgerschaft zu verankern. Dazu stelle die passive oder aktive Mitgliedschaft im Verein eine gute Möglichkeit dar. | ||
| Als Vorstand für den neuen Verein wurden gewählt: | ||
| • | erste Vorsitzende: Maria Beiten | |
| • | zweiter Vorsitzender: Hermann Josef Güldenberg | |
| • | Schatzmeisterin: Hanna Poral | |
| • | Beisitzerinnen: Dietlind Bielefeld und Michaela Erdmann | |
| Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen aller Altersgruppen, insbesondere von Kindern, Jugendlichen und Familien positiv zu gestalten und das Zusammenleben der Generationen in Schwalmtal zu verbessern. | ||
| Feierlich wurde die Satzung von den Mitgliedern unterschrieben. | ||
| Viele bekundeten ihr Interesse an einer aktiven Unterstützung des Vereins und ließen sich bereits als Interessenten vormerken. | ||
| Der Mindestbeitrag für den neuen Verein beträgt einen Euro im Monat. Nach dem musikalischen Abschluss der Veranstaltung war Gelegenheit gegeben, in lockerer Atmosphäre auf die Vereinsgründung anzustoßen. | ||
| Für Rückfragen und Informationen steht Frau Bielefeld bei der Gemeinde Schwalmtal unter der Tel. Nr. 02163/946 192 oder per mail dietlind.bielefeld(at)gemeinde-schwalmtal.de zur Verfügung. | ||
Das Schwalmtaler Bündnis für Familie will sich den Vereinsstatus geben, um aus dem bisher lockeren Zusammenschluss eine feste Organisation zu machen. Die Gründung ist Ende Februar, Mitstreiter werden gesucht.
Schwalmtal. Mit vielen Aufgaben sah sich das Lokale Bündnis für Familie in Schwalmtal bei der Gründung vor zwei Jahren konfrontiert. Oberstes Ziel: Die Gemeinde für Familien attraktiver machen, Angebote vernetzen, Kontakte knüpfen, Mitstreiter gewinnen, Unternehmen und Vereine einbinden. Aus dem lockeren Zusammenschluss gingen im Laufe der Zeit mehrere Arbeitskreise hervor, darunter der Literaturkreis, der Kreis „Miteinander-füreinander“, das Familientelefon, die Arbeitsgruppe „familienfreundliche Unternehmen“ und das Projekt „Familienatlas“.
Doch gerade bei diesem Projekt zeigte sich, dass der lockere Zusammenschluss nicht ausreicht: „Dieser Wegweiser unter dem Arbeitstitel ,Familienatlas’ soll Adressen von Ansprechpartnern, Vereinen, Institutionen und kommerziellen Anbietern bündeln, die für Familien hilfreich sein können“, beschreibt Maria Beiten, Mitinitiatorin des Bündnisses, das Projekt. Doch das Heft muss gestaltet und gedruckt, Sponsoren müssen gesucht werden. „Uns fehlt die feste Struktur, mit der wir auch Spenden annehmen und Gelder ausgeben können“, sagt Beiten. Denn beim „Familienatlas“, der im Frühjahr erscheint, soll es nicht bleiben: Das Bündnis plant Workshops zu Familien-Themen, will ein eigenes Logo entwickeln und auch den Schwalmtaler Unternehmen ein Logo verleihen, die sich als familienfreundlich erwiesen haben. Vom Vereinsstatus versprechen sich die Initiatoren nicht nur, handlungsfähiger zu werden, sondern durch die feste Struktur mit Vorstand und Mitgliedern auch effizienter arbeiten zu können.
Nun steht die Vereinsgründung an. Sie soll am Donnerstag, 25. Februar, um 19 Uhr im Bürgersaal im Waldnieler Rathaus stattfinden. Schwester Jordana Schmidt OP vom Kinderdorf Bethanien konnte als Moderatorin gewonnen werden, alle Interessierten sind eingeladen, sich bei einem Glas Sekt über die Aktivitäten des Bündnisses zu informieren.
Mit der Vereinsgründung geht Schwalmtal neue Wege. Denn obwohl inzwischen nach Initiative des Bundesfamilienministeriums zahlreiche Kommunen bundesweit diese Bündnisse ins Leben gerufen haben, gibt es nur wenige, die als eingetragener Verein agieren, wie etwa in Braunschweig oder Gießen. Durch den Verein wolle man das Bündnis auf eigene Füße stellen, „es soll auf Dauer angelegt sein“, sagt Mitinitiator Hermann-Josef Güldenberg. Einen Vorschlag für den ersten Vorstand des zu gründenden Vereins haben die Initiatoren schon erarbeitet, doch letztlich entscheidet das Votum der Mitglieder. Im Gespräch sind Beiten, Güldenberg sowie Hanna Poral. „Wir möchten den Verein anfangs begleiten, weil wir über die Erfahrung verfügen, sind aber optimistisch, dass uns dann andere ablösen werden“, sagt Güldenberg.
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Viersen
Ausgabe: Nr.37
Datum: Samstag, den 13. Februar 2010
Seite: Nr.12

"Wir begrüßen ausdrücklich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts", erklärt die Vorsitzende der NRW-Grünen, Daniela Schneckenburger, zum Kippen der Hartz IV-Regelsätze von Kindern durch die Bundesverfassungsrichter. "Das Gericht teilt die Auffassung der Grünen, dass es ein Gebot der Menschenwürde ist, die Bedarfe für Kinder für den Regelsatz eigenständig zu ermitteln. Kinder sind eben nicht nur kleine Erwachsene - sie wachsen schnell und haben schon allein deswegen spezifische Bedarfe z. B. bei der Kleidung. Die Bundesregierung muss jetzt schnell nachbessern. Kinderarmut hat gerade darin eine Ursache, dass der wirkliche Bedarf von Kindern in den Regelsätzen nicht berechnet ist" Landtagskandidatin Martina Maassen ergänzt in der heutigen Rheinischen Post: "Kinder von Hartz IV-Beziehern haben wie alle anderen auch ein Recht auf ein lebenswertes Leben, soziale und kulturelle Teilhabe.“
Erstmalig zeichnete das Lokale Bündnis für Familie Schwalmtaler Unternehmen für ihre Familienfreundlichkeit aus. Überzeugt haben der Agrarhandel Weuthen, die Volksbank Schwalmtal und - für einige überraschend - die Obst- und Gemüsegroßhändler Gebrüder Tacken. Warum die Auszeichnungen verliehen wurden, lesen Sie hier
Das Schwalmtaler „Bündnis für Familie“ hat drei örtliche Unternehmen als familienfreundlich ausgezeichnet. Die Ehrung soll nicht nur Anerkennung sein, sondern vor allem weitere Betriebe zum Mitmachen anregen.
Schwalmtal Dass ihr Unternehmen als familienfreundlich ausgezeichnet wird, hat Ferdi Buffen und Karl-Josef Dammer von der Geschäftsleitung des Agrarhandels Weuthen dann doch überrascht. „Wir sind ein kleiner Mittelständler, bei uns kennt man sich. Und wenn man merkt, dass es irgendwo hakt, egal ob bei der Kinderbetreuung oder der Arbeitszeit, muss man eben eine Lösung finden. Das ist doch selbstverständlich.“ So formuliert es Buffen, der jetzt gemeinsam mit Dammer die Auszeichnung als „familienfreundliches Unternehmen“ vom Schwalmtaler „Bündnis für Familie“ entgegennahm.
Dafür hatte das Schwalmtaler Bündnis örtliche Unternehmen angeschrieben und einen Fragebogen mitgeschickt. Darin sollten die Betriebe etwa angeben, ob es Unterstützung für die Mitarbeiter gibt, wenn die Kinderbetreuung mal ausfällt, ob flexible Arbeitszeiten möglich sind, wie Eltern während der Elternzeit Kontakt mit dem Betrieb halten können und vieles mehr. „Von 55 angeschriebenen Unternehmen schickten 15 die Bögen zurück“, sagt Maria Beiten vom Arbeitskreis „Familienfreundliche Unternehmen“ im Bündnis.
Weuthen erhielt die Auszeichnung unter anderem für besondere Angebote für Wiedereinsteiger nach der Elternzeit, die Vermittlung von Betreuungsplätzen oder Tagesmüttern und die Übernahme von Betreuungskosten. „Und wenn eine Mutter das Kind mal für einen Morgen mit ins Büro bringt, weil die Tagesmutter ausgefallen ist, ist das auch kein Problem“, sagt Buffen.
Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Volksbank Schwalmtal, die die Auszeichnung unter anderem deshalb erhielt, weil sie flexible Arbeitszeitmodelle anbietet wie etwa Job-Sharing, Vertrauensarbeitszeit, Teilzeit während der Elternzeit, mobile Telearbeit und Teamarbeit. Auch die Schwalmtaler Firma Tacken gehört zu den familienfreundlichen Unternehmen, unter anderem aufgrund einer - auch geplanten - Kooperation mit anderen Betrieben bei der Kinderbetreuung, der Möglichkeit, Arbeit mit nach Hause zu nehmen und auch deshalb, weil Tacken den Punkt „Familienorientierung“ mit in die Unternehmensleitsätze aufgenommen hat. Familienorientierung werde für Unternehmen immer wichtiger, ist sich auch Ferdi Buffen sicher. „Wir wollen keine Fluktuation, sondern Mitarbeiter, die über Jahre und gerne bei uns arbeiten“, sagt er.
Neben der Urkunde will das Schwalmtaler Bündnis nun noch ein Logo erstellen lassen, das die ausgezeichneten Betriebe für sich verwenden dürfen. Wenn Schwalmtaler Unternehmen als besonders familienfreundlich bekannt werden, könnte dies auch mehr Familien nach Schwalmtal locken, ist sich Bürgermeister Reinhold Schulz sicher, „deshalb hoffen wir, dass sich auch andere Betriebe von den Ideen inspirieren lassen und mitmachen.“
- /BIRGITTA RONGE
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Viersen
Ausgabe: Nr.289
Datum: Freitag, den 11. Dezember 2009
Seite: Nr.20


Am 31. Dezember endet die gesetzliche Bleiberechtsregelung. Zusätzlich zu den sonstigen Voraussetzungen müssen die bisher in Schwalmtal geduldeten Flüchtlinge nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt eigenständig sichern können. Nur so können sie einen sicheren Aufenthalt erlangen. Wir Grüne waren und sind die Garanten einer menschenrechtlich orientierten Flüchtlingspolitik.
Aktuell wollen wir verhindern, dass die Bundesregierung ihre eigene sog. Altfallregelung für langjährig Geduldete leerlaufen lässt. Von ihr haben 29.000 Menschen profitiert – allerdings haben sie meist eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, die nur verlängert wird, wenn Ende 2009 deren Lebensunterhalt "überwiegend eigenständig durch Erwerbstätigkeit gesichert ist".
Allen ist klar: Aufgrund der Wirtschaftskrise wird nur ein Bruchteil das schaffen - der Rest wird in die alten (Ketten-)Duldungen zurückfallen und ist akut von der Abschiebung bedroht! Dies wollen wir nicht für Schwalmtal und überall. Lesen Sie hier unseren Vorschlag für eine hoffentlich gemeinsame Resolution des Gemeinderats.

Die Arbeitsgruppe "Familienfreundliche Unternehmen" stellt sich vor.
Eltern kennen den Stress: "Kann ich meine Kinder rechtzeitig aus der Kita abholen? Was sagt mein Chef, meine Chefin, wenn ich wieder früher los muss, um mein Kind abzuholen?" Fragen, die Eltern, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, immer wieder die Schweißperlen auf die Stirn treiben.
Eltern erfüllen eine wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft und haben es doch oft so schwer, den Spagat zwischen Sicherung des Lebensunterhalts und der verantwortungsvollen Erziehung der Kinder zu meistern.
Ziel der Arbeitsgruppe „Familienfreundliche Unternehmen" ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Familien zu verbessern und Unternehmen und Gesellschaft für die Belange von Mitarbeitern mit Familie zu sensibilisieren. In Schwalmtal wäre schon viel erreicht, wenn die Berufswelt von Eltern familienfreundlicher gestaltet würde. Denn berufstätige Eltern wünschen sich „Zeit für Kinder und Zeit für Arbeit" in einer lebenswerten Balance.
Der Arbeitskreis möchte als erste Aktion einen Fragebogen für Mitarbeiter und für Unternehmen herausgeben.
•Für Mitarbeiter: sie werden nach ihren Bedürfnissen, z.B. Arbeitszeiten, Betreuungszeiten und -wünschen gefragt. Welche Probleme oder Engpässe bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben sie?
•für Arbeitgeber: sie werden nach der Struktur der Mitarbeiter gefragt. Wie viele Frauen und Männer sind im Unternehmen beschäftigt? Wie viele Mitarbeiter haben Kinder? Welche Arbeitszeitmodelle gibt es? Kann der Arbeitsort (Telearbeit) nach Hause verlegt werden? Wie sieht es mit der Akzeptanz und Berücksichtigung von familiären Belangen der Mitarbeiter aus? Gibt es unterstützende Maßnahmen für Mitarbeiter mit Kindern (Betreuung, Vermittlung von Betreuung, finanzielle Unterstützung)?
Unternehmen fragen sich: „Wie finde ich gute Mitarbeiter und halte sie vor Ort." Sie können durch familienfreundliche Angebote im Besonderen zur Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen beitragen. Auch Motivation, Loyalität und Produktivität der Mitarbeiter können durch diese Angebote gesteigert werden.
Als ein neues Projekt ist die Einführung eines Familienpasses geplant. Geschäfte/Unternehmen könnten dann Inhaber dieses Familienpasses Preisnachlässe gewähren. Eintrittspreise im öffentlichen Schwimmbad und der Bibliothek könnten z. B. für Familien verbilligt angeboten werden. Im Gegenzug könnten Geschäfte/Unternehmen mit einer Plakette/Logo die Zugehörigkeit zum Bündnis zeigen. Erfreulicherweise hat Boris Tacken (TACKEN GMBH) seine Mitarbeit im Arbeitskreis zugesagt. Für sein Unternehmen überlegt Herr Tacken, einen Betriebskindergarten einzurichten.
Unternehmen und Mitarbeiter, die Interesse an den Fragebögen oder Mitarbeit des Arbeitskreises „Familienfreundliche Unternehmen" haben, wenden sich bitte an:
Arbeitsgruppe:"Familienfreundliche Unternehmen"
Maria Beiten, Tel.: 02163-57 15 788, m.beiten(at)web.de
Dietlind Bielefeld, Koordinatorin, Tel.: 02163-94 6192, dietlind.bielefeld(at)gemeinde-schwalmtal.de
Wohin mit dem Bauwagen?
Nachdem es im Wohngebiet Nottbäumchen zu erheblichen Problemen zwischen Jugendlichen und Anwohnern gekommen ist, regte Streetworker Joachim Hambücher an, einen Bauwagen als mobile Anlaufstelle im Wohngebiet Nottbäumchen aufzustellen. Er selbst wollte dieses Projekt nach klaren Regeln begleiten.
Alle politischen Parteien waren einverstanden, diesen Versuch zu starten, um die Jugendlichen da abzuholen, wo sie sind. Dieser Bauwagen sollte ein Angebot für die Jugendlichen sein, ihre bisher stark durch Langeweile geprägte Freizeit eigenverantwortlich anders und sinnvoll zu gestalten.
Der Bauwagen wurde von der CDU gesponsert und von der Schule an der Schwalm hergerichtet. Noch vor den Sommerferien sollte er am Parkplatz am Kindergarten Nottbäumchen aufgestellt werden.
Die Jugendlichen warteten allerdings vergeblich auf ihren versprochenen mobilen Treffpunkt.
Um Konflikte im Vorfeld zu vermeiden, lud die Gemeinde vor den Ferien zu einem Treffen mit Anwohnern, Politikern, Streetworker und Jugendlichen ein. Hier wurde der Unmut der Anwohner sehr deutlich, aber auch eine moderate Bereitschaft das Bauwagenprojekt zu starten, was aber wieder nicht geschah.
Wieder warteten die Jugendlichen vergeblich auf ihren Bauwagen. Nach den Ferien wurde ein neues Treffen mit den Anwohnern, CDU, FDP, Gemeinde und dem Streetworker initiiert. Hier kam es zu einer starken Polemisierung durch die Anwohner bis hin zu Drohungen (Abfackeln des Bauwagens). Auf dieser Veranstaltung versprach Herr Höckendorf (Fraktionsvorsitzender der Mehrheitspartei), dass der Bauwagen nicht ins Nottbäumchen kommt.
Somit kam es zu einer bizarren Situation. Die Verwaltung empfahl das Aufstellen des Bauwagens im Nottbäumchen, die CDU versprach, dass der Bauwagen genau dort nicht aufgestellt würde.
Der Eindruck verfestigte sich, dass die Jugendlichen gegen die Anwohner am Parkplatz Nottbäumchen keine Chance haben. Die jungen Menschen äußerten den Wunsch, dass die Erwachsenen vielleicht ja auf sie aufpassen würden. Bei Bedrohungen wären sie froh über Erwachsene, die Hilfe holen würden.
Absurd dazu die Ausführungen von Herrn Höckendorf im Ausschuss für Jugend, Soziales, Sport und Seniorenangelegenheiten, „Ihr glaubt doch nicht, dass die Anwohner die Polizei für euch holen würden“. Ist das unterlassene Hilfeleistung? Die Anwohner holen wohl nur die Polizei wegen Ruhestörung.
Hier wird ein Präzedenzfall geschaffen. Alle Anwohner, die sich durch Jugendliche gestört fühlen, können sich jetzt auf diesen Fall berufen und die Jugendlichen auch vertreiben.
Wie gehen wir eigentlich mit Jugendlichen um? Sie haben keine Lobby. Warum können sie sich nicht auf Erwachsene verlassen?
Alle Vorschläge, die im Ausschuss für Jugend, Soziales, Sport und Seniorenangelegenheiten von CDU und FDP zum Standort des Bauwagens gemacht wurden, waren weit ausserhalb der Wohnbebauung. An der Autobahn, am Sportplatz und der jetzt beschlossene Standort an der Schutzhütte an der Kastanienallee. Hier sitzen die Jugendlichen sofort an der Straße. Wer garantiert hier für ihren Schutz?
Eine Mutter sagte im Ausschuss:, „Da lasse ich meine Töchter nicht hin, das ist mir zu gefährlich!“
Es entsteht der Eindruck, dass unsere Jugendlichen an den Rand des Ortes und auch an den Rand der Gesellschaft geschoben werden. Sie haben eben keine Lobby. Für uns Grüne gehören sie in die Mitte der Gesellschaft, sie bilden die nächste Generation.
Wir sind verpflichtet, uns um die Belange unserer Jugendlichen zu kümmern und ihnen attraktive Angebote zu machen, damit sie ihre Freizeit sinnvoll verbringen können und gerne in Schwalmtal wohnen. Langeweile und Perspektivlosigkeit sind immer die Voraussetzungen für Randale und Drogenmissbrauch von Jugendlichen.
In Schwalmtal haben wir im Frühjahr ein Bündnis für Familien gegründet. Jugendliche gehören genau in die Mitte dieses Bündnisses.
Klar ist, dass Regeln aufgestellt werden, Grenzen gesetzt und eingehalten werden müssen. Aber auch ein Dialog mit allen muss möglich sein
Wir brauchen attraktive Freizeitangebote für Jugendliche und natürlich auch
Freiraum und Akzeptanz.
Maria Beiten Schwalmtal, 18.09.2008
Das Lokale Bündnis für Familie in Schwalmtal lebt. Knapp 100 Gäste erlebten gestern seine Geburtsstunde. Bürgermeister Reinhold Schulz unterstrich: „Kinder sind unser wichtigstes Kapital.“ Ohne sie, ohne Familien, habe Schwalmtal keine Zukunft. VON HELGA SEIFERT
Schwalmtal. Kein Mensch ist eine Insel. „Fette Bankkonten können keinen Rollstuhl schieben“, brachte Johannes Giesen, Bürgermeister in Straelen, den demografischen Wandel mit all seinen Problemen gestern auf den Punkt. Die niederrheinische Gemeinde aus dem Kreis Kleve fördert seit Jahren generationsübergreifende Projekte und eröffnete 2007 ein Haus für die Familie. Schwalmtal hat sich diese Erfahrungen zunutze gemacht. Seit gestern gibt es auch hier ein Lokales Bündnis für Familie. Geburtshilfe leistete nicht nur der Straelener Bürgermeister. Maria Beiten, Birgit Bünger, Joachim Hambücher und Hermann-Josef Güldenberg erledigten wichtige Vorarbeit. Das Quartett unterzeichnete mit Bürgermeister Reinhold Schulz die Bündnisdeklaration.
Sie ist quasi das Versprechen, in Schwalmtal ein familienfreundlicheres Klima zu schaffen. „Heute geht’s los. Jetzt brauchen Sie Praktiker, die wissen, wo der Schuh drückt“, machte Johannes Gießen Mut. Die ersten Praktiker kamen gleich zu Wort. Mit im Bündnis-Boot sind bereits drei Arbeitgeber: die Firmen Tacken, Kamps GmbH und das Bethanien-Kinderdorf. Boris Tacken, Jan Hertzberg, Christof Venten (beide Kamps) und Klaus Esser (Kinderdorf) tragen durch flexible Arbeitszeit-Modelle dazu bei, dass sich Familie und Beruf nicht ausschließen. „Familienfreundlich zu sein, kann niemals von Nachteil sein“, bekundete Tacken unter dem Beifall der Anwesenden. Dass es sich lohnt, auf Familienbelange Rücksicht zu nehmen, verdeutlichte Roswitha Dammesch, deren Betrieb in Mettmann von der Industrie- und Handelkammer 2005 zum familienfreundlichsten Unternehmen gekürt wurde. Der Krankenstand in ihrer Firma ist niedrig, „und zufriedene Mitarbeiter kündigen nicht“. Gerade im Hinblick auf den Facharbeitermangel sei eine familienfreundliche Personalpolitik im Interesse der Wirtschaft.
Noch steckt das Lokale Bündnis in Babyschuhen. Es ans Laufen zu bringen, ist nun Aufgabe der Bürger. Gestern tagten erste Arbeitsgruppen mit den Schwerpunkten Elternberatung, Elternatlas, Familienfreundliche Unternehmen und Plattform für Aktive. Ideen kann hier jeder Bürger einbringen. „Ich finde es unendlich traurig, wenn junge Menschen sich heute bei der Familienplanung fragen: Können wir uns ein Kind überhaupt leisten? Das müssen wir ändern - alle zusammen“, appellierte Hermann-Josef Güldenberg. „Kinder müssen uns willkommen sein. Dafür müssen wie die gesamte Gesellschaft ins Boot holen“, befand auch Bürgermeister Schulz. Da hatte Dr. Jan Schröder (Servicebüro Lokale Bündnisse für Familie, Bonn) als Moderator, Veranstalter und „Geburtshelfer“ leichtes Spiel. - /HELGA SEIFERT
Frauen-Union
Schwalmtal (wiwo) „Wir setzen uns ein für ein lebenswertes und lebendiges Schwalmtal“ schreibt sich die Frauen-Union der CDU Schwalmtal auf die Fahnen. Im Juni vergangenen Jahres hat sie sich wieder gegründet, nachdem der erste Anlauf vor einigen Jahren im Sande verlief.
Die Vorsitzende Vera de Rijk und ihr Team wollen das jetzt besser machen und klassische Frauen-Themen wie Jugend, Familie und Soziales besetzen. Zu einem ersten Ideenaustausch trafen sich nun zehn Frauen in der Gaststätte Waidmannsheil. Die Themenpalette war breit gestreut und reichte von Problemen auf Spielplätzen, über Generationenfragen, Müll im Waldnieler Ortskern, Verkehrsproblemen in Amern bis hin zu vorbeugenden Maßnahmen im Hinblick auf Jugendkriminalität. Ganz konkret möchte sich die Frauen-Union im Lokalen Bündnis für Familie in Schwalmtal einbringen. Im Nachgang zu Gründungsversammlung sollen entsprechende Aktivitäten angestoßen werden: „Wir wollen mal abwarten, welche Möglichkeiten sich dann bieten.“
Bürgermeister Reinhold Schulz motivierte die Frauen, nicht locker zu lassen: „Frauenspezifische Fragen werden von Männern oftmals abgetan, weil sie dahingehend keine Erfahrungen haben. Es ist positiv, dass Sie nicht die Welt verändern wollen. Ich bin überzeugt, dass sich so Schritt für Schritt auch Erfolge einstellen.“ Die Frauen-Union Schwalmtal hat derzeit 30 Mitglieder und arbeitet daran, dass es mehr werden. „Es ist jedoch schwierig, die Menschen zu bewegen“, so de Rijk. Ganz bewusst sind die Zusammenkünfte daher auch für Nicht-Mitglieder offen.
Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.98 Datum: Samstag, den 26. April 2008 Seite: Nr.12
Ohne Kinder keine Zukunft Schwalmtal macht Ernst mit seinem lokalen Bündnis für Familie. Die Gründungsveranstaltung am 25. April soll möglichst viele Bürger für die Idee einer familienfreundlichen Gemeinde begeistern. VON HELGA SEIFERT
Schwalmtal. Jutta P. würde gerne etwas zum Haushaltsgeld der vierköpfigen Familie beisteuern. Eine flexible Arbeitszeit ist wegen der Kinder wünschenswert, doch familienfreundliche Arbeitgeber sind rar. Herbert S. ist aus dem Berufsleben ausgeschieden, aber er fühlt sich noch lange nicht zum alten Eisen gehörig. Zwei Beispiele von vielen, denen das lokale Bündnis für Familie neue Perspektiven eröffnen kann. „Miteinander und füreinander da zu sein, ist für die Zukunft von entscheidender Bedeutung“, sagt CDU-Ratsherr Hermann Josef Güldenberg. Die Christdemokraten gaben gemeinsam mit den Grünen den Anstoß, Jung und Alt in der Gemeinde näher zu bringen und Belange der verschiedenen Generationen ernster zu nehmen. Bei Bürgermeister Reinhold Schulz und den anderen Parteien liefen sie damit offene Türen ein. „Die demografische Entwicklung stellt die Gesellschaft schon in naher Zukunft vor große Probleme. Die Politik allein kann die Schwierigkeiten nicht meistern“, stellt Schulz fest.
Ein Bündnis für die Familie (450 davon gibt es bundesweit) vernetzt bereits vorhandene Angebote wie Kinderbetreuung oder Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche und Senioren, greift neue Anregungen auf und setzt sie möglichst um. Schon die Vorarbeit, bei der die Initiatoren Unterstützung vom Bürgerservice Bonn erhielten, machte deutlich, wie groß das Interesse an bedürfnisorientierten Angeboten in Schwalmtal ist. Spontan bildeten sich vier Arbeitsgruppen, die Projekte zu den Themen „Elternberatung“, „Elternatlas“, Plattform für Aktive“ und „Familienfreundliche Unternehmen“ anregten. Mit den Unternehmen Kamps, Tacken und dem Kinderdorf Bethanien hat das Bündnis bereits Partner gefunden. „Wir waren erstaunt, wie sehr Firmen an Familienfreundlichkeit interessiert sind. Es bindet gute Mitarbeiter und hilft, neue gute Leute zu finden“, sagt Klaus Esser (Bethanien-Geschäftsführer).
Maria Beiten (Grüne) gab die Initialzündung: „Familien sind unsere Zukunft. Ihre Bedürfnisse müssen wir ernst nehmen.“ Sie hofft, dass politische Entscheidungen in Schwalmtal künftig auch durch den Fokus „Familie“ betrachtet werden. Für sie und Hermann Josef Güldenberg ist aber wichtig, dass sich die Politiker nur als Anschieber für das neue Bündnis verstehen: „Wenn wir es schaffen, ein Klima gegenseitiger Hilfe und Aufmerksamkeit in der Bevölkerung zu schaffen, ist das sehr viel.“ Die Gründungsversammlung soll dazu beitragen. „Viele tolle Ideen schlummern schon in den Köpfen“, äußert Dietlind Bielefeld, Gleichungsbeauftragte der Gemeinde. Sie ist Ansprechpartnerin für Anregungen und Kontakte - egal, ob es um Omas auf Zeit, einen Einkaufsdienst für Kranke oder Hausaufgabenbetreuung geht. -
/HELGA SEIFERT Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.80 Datum: Samstag, den 05. April 2008 Seite: Nr.13
Schwalmtal (hs) Kinder, die gerade erst das Laufen lernen, tragen in der Regel noch Pampas. Wer ein Jahr und zwei Jahre alt ist, kündigt auch nicht „Pipi“ oder „A-a“an. Lediglich ein Unwohlsein, oft mit einem Quengeln verbunden, macht auf das Malheur aufmerksam. Was das mit dem geplanten Kinderbildungsgesetz zu tun hat? Sehr viel, meinte Grünen-Ratsfrau Maria Beiten, als sie am Dienstagabend im Rat Schwalmtal für ihre Fraktion eine Resolution gegen das „KiBiz“ einbrachte.
Das Szenario: Künftig werden sich zwei Erzieherinnen um fünf solcher kleinen Hosenscheißer und 15 weitere Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren kümmern müssen. Beiten: „Das soll Bildung, das soll Förderung sein von Kindern, die in Zukunft unsere Gesellschaft stützen sollen?“ Die stellen sich auch CDU und FDP anders vor, „allein es muss auch bezahlbar sein“, meinten Lothar Höckendorf (CDU) und Dr. Bernd Simonis (FDP). Nachbesserungen stehen für Christdemokraten und Liberale außer Frage, eine Muster-Resolution der Grünen, wie sie auch in anderen Städten und Gemeinden diskutiert wird, lehnen sie aber ab. „Diese Standpunkte sind dem Landtag durch die Wohlfahrtsverbände längst bekannt“, so Höckendorf. Seine Fraktion befürwortete eine Resolution, die die Auswirkungen des KiBiz in Schwalmtal konkretisiert. Diesem Vorschlag wollten die Grünen nicht folgen. Das Wohl der Kindes geriet in der anschließenden Diskussion immer wieder aus dem Blickfeld.
Parteipolitisches Gezänk („Erst muss der Schuldenberg abgebaut sein, den Rot-Grün hinterlassen hat“ - „Der Demographiebericht zeigt doch, was uns droht, wenn wir Kinder nicht fördern“) stand im Vordergrund. SPD-Sprecher Christian Pesch mahnte, das „Schaulaufen“ zu beenden und zum Kern der Sache zu kommen: . „KiBiz wird die Kommunen und die Träger finanziell stark treffen - und damit auch unsere Kinder.“ Für einen gemeinsamen Nenner reichte das nicht. Es soll ein Schwalmtal-spezifisches Papier geben - Inhalt offen.
- Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.219 Datum: Donnerstag, den 20. September 2007 Seite: Nr.14
Schwalmtaler Eltern, deren Kinder unterschiedliche Tageseinrichtungen besuchen, werden
künftig nicht mehr doppelt zur Kasse gebeten. Für Geschwisterkinder entfällt der Beitrag zur Offenen Ganztagsgrundschule.
VON HELGA SEIFERT
Schwalmtal. Es mutet paradox an. Besuchen Geschwisterkinder in Schwalmtal denselben Kindergarten, zahlen die Eltern für das zweite Kind nichts. Wird der Nachwuchs eingeschult und wird in der Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) betreut, ist es mit dem Rabatt vorbei. Dann wird die Familie zweimal zur Kasse gebeten. In Viersen wären Eltern wie Sonja und Boris Hilkes besser dran. Die Kreisstadt wendet den Geschwisterrabatt auch auf die OGS an. Die Hilkes stellten, unterstützt von 31 anderen Eltern, einen Bürgerantrag, die Vorgehensweise in Schwalmtal zu ändern.
Mit ihrer Forderung liefen die Eltern im Schulausschuss offene Türen ein. Die Grünen hatten einen ähnlich lautenden Antrag schon vor den Sommerferien formuliert, waren damit aber gescheitert. Die SPD bemühte sich auf Kreisebene um eine einheitliche Regelung, fand aber keine Mehrheit. Jetzt sprachen sich auch CDU und FPD dafür aus, Geschwisterkinder in der OGS freizustellen. Bedenken von FDP-Chef Dr. Bernd Simonis, ob es im Nothaushalt überhaupt möglich ist, auf diese Einnahmen zu verzichten, zerstreute Lothar Höckendorf (CDU): Die Gemeinde habe sich angesichts ihrer schlechten Finanzsituation die OGS von der Bezirksregierung extra genehmigen lassen, „ich gehe davon aus, dass wir uns im Rahmen unseres Handlungsspielraumes bewegen.“
Zu Beginn des neuen Schuljahres besuchten 183 Schwalmtaler Kinder die Offene Ganztagsgrundschule: 51 werden in der Grundschule Amern betreut, 30 in der Schule an der Schwalm und 101 in der Grundschule Waldniel. In 18 Fällen handelt es sich um Geschwisterkinder. Die Doppelbelastung der Eltern liegt zwischen 57 und 398 Euro im Monat. Die Sozialstaffelel klafft weit auseinander, weshalb Besserverdienende von der Neuregelung stärker profitieren. Bis 65000 Euro Jahreseinkommen der Eltern liegt der OGS-Beitrag bei 115 Euro, darüber bei 150 Euro im Monat. Der Vorschlag der FDP, den Beitrag bei den höheren Einkommen um 50 Prozent zu senken, stieß ebenso auf Ablehnung wie die Einführung eines Anerkennungsbeitrages von 10 Euro. Stefan Joebges (Grüne): „Die Beitragsregelung darf nicht anders als in Viersen sein. Die zehn Euro machen den Braten nicht fett.“ Der Beschluss des Schulausschusses fiel einstimmig aus. Das letzte Wort hat der Rat. In der anschließenden Bürgerfragestunde bedankte sich ein Vater, der den Elternantrag mit unterstützt hatte. Er regte eine freiwillige Spende der Besserverdiener an den OGS-Förderverein an, um dessen Einnahmeverluste etwas zu mildern. Ob die Gemeinde für die ausfallenden Beiträge von etwa 9000 Euro aufkommt, wird sich erst im kommenden Jahr zeigen. Dann steht allerdings auch eine Gebührenneuberechnung nach dem Kinderbildungsgesetz an, das 1. August 2008 in Kraft tritt.
- /HELGA SEIFERT
Quelle:
Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Viersen
Ausgabe: Nr.208
Datum: Freitag, den 07. September 2007
Seite: Nr.10
Die Grünen in Schwalmtal wollen „Lokale Bündnisse für Familien“ schaffen, um das Leben in der Gemeinde auch morgen attraktiv zu gestalten. Die anderen Ratsfraktionen reagieren auf die Zukunftsvision eher verhalten.
VON THORSTEN GÖRTZ
SCHWALMTAL Ist die Gemeinde Schwalmtal familienfeindlich? Diese Frage drängte sich zumindest der CDU-Fraktion beim Antrag der Grünen auf, die sich für „Lokale Bündnisse für Familien“ stark machen und in einem Antrag forderten, „Schwalmtal zu einer familienfreundlichen Gemeinde zu machen“. CDU-Fraktionschef Lothar Höckendorf stieß sich an der Formulierung und unterstrich: „Wir sind doch längst familienfreundlich.“ Ratsfrau Maria Beiten (Grüne) stellte im Ausschuss für Jugend, Soziales, Sport und Seniorenangelegenheiten aber klar, dass der Antrag nicht als Kritik, sondern als Art Zukunftsvision gedacht ist.
In der Gemeinde Straelen sind die Weichen für die Zukunft gestellt. Straelens Bürgermeister Johannes Giesen machte als Gastreferent deutlich, was es damit auf sich hat. Straelen widmet sich dem Thema „Lokale Bündnisse für Familien“ seit einigen Jahren und hat bereits erste positive Ergebnisse erzielt. Giesen wies in seinem Vortrag auf die demographische Entwicklung hin, die es notwendig mache, die Rahmenbedingungen von richtungsweisenden Planungen neu zu justieren. Er plädierte dafür, der Förderung von Familien und Kindern dabei eine hohe Priorität einzuräumen. „Die Familie wird in der Zukunft wichtiger sein als die Rente. Fette Bankkonten können keinen Rollstuhl schieben“, merkte der Straelener Bürgermeister etwas provokant an. „Wer Familien fördert, fördert die Attraktivität einer Kommune“, lautete eine weitere These.
Giesen führte zahlreiche Projekte auf, die in Straelen bereits mit Erfolg durchgeführt wurden und riet dazu, der Familienförderung eine politische Anbindung mittels eines Familienbeirats zu verschaffen. Wichtig sei, einen „Familienatlas“ zu erstellen, also einen Leitfaden, der alle Aspekte verdichtet zusammenfasst. Als „Knotenpunkt“ der Aktivitäten sollte es ein Familienzentrum geben, in dem alle Angebote und Dienstleistungen für Familien gebündelt werden. „Insgesamt kostet Familienförderung gar nicht viel Geld. Es geht eher um eine andere Prioritätensetzung.“
Der Fachausschuss war von dem Vortrag sichtlich angetan, auch wenn einige Ausführungen recht theoretisch erschienen. Lothar Höckendorf bat deshalb, sich die Aktivitäten einmal vor Ort anschauen zu dürfen. „Natürlich! So verstehen wir kommunale Zusammenarbeit“, zeigte sich Johannes Giesen kooperativ. Einig waren sich die Politiker, dass der Ansatz „Lokale Bündnisse für Familien“ nicht in den Akten verschwinden darf. -
THORSTEN GÖRTZ Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.250 Datum: Freitag, den 27. Oktober 2006 Seite: Nr.10
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Auch wenn der Schwalmtaler CDU- Fraktionsvorsitzende Lothar Höckendorf es anders sieht. Schwalmtal ist noch lange nicht familienfreundlich. Denn auch hier geht es vielen von denen, die Kinder bekommen und vielen von den bereits geborenen Kindern nicht gut. Gerade in der letzten Zeit wurden auf Bundes- und Landesebene Gesetze durchgedrückt, die die Kinder- und Elternarmut erhöhen. Vielleicht ist auch dies ein Grund, warum die Geburtenrate sinkt. Zwar kann die Wirtschaft mit Arbeitslosen ganz gut leben, weil sie das Lohnniveau drücken. Aber ganz ohne Menschen funktioniert Wirtschaft eben auch nicht.
Daher sei es eine wesentliche Funktion des Bündnisses für Familie - so Johannes Giesen (CDU-Bürgermeister Straelen) jüngst in seinem Vortrag im Ausschuss für Jugend, Soziales und Senioren - junge Erwerbstätige in einer Region zu halten und die Kinder gut auszubilden, denn dies ziehe Unternehmen an, steigere die Innovationsdynamik und die Wettbewerbsfähigkeit einer Kommune. Familienfreundlichkeit sei somit ein Standortfaktor für die Zukunft. So weit - so gut.
Etwas unheimlich dabei ist, dass Giesen nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Referent der Bertelsmann-Stiftung auftritt. Bertelsmann ist ein weltweit operierendes Medienunternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 18 Milliarden Euro. Die Bertelsmann-Stiftung mit Ihrer Ideologieproduktion gilt vielen mittlerweile als steuerfinanzierte, neoliberale Nebenregierung ohne Mandat, wie z.B. einem Artikel des der
Nr. 24/2006 des Freitag anschaulich zu entnehmen ist. Eine Auflistung weiterer Bertelsmann-kritischer Informationen finden Sie
hier.
Die Bertelsmann-Vordenker haben auch das „Bündnis für Familie“ konzipiert. Denn der Stifter Reinhard Mohn war der Auffassung, dass politische Gemeinwesen uneffektiv arbeiten und wollte mit seiner Stiftung effektiv und effizient Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Und dies funktioniert mit eigenen Forschungsinstituten und think tanks, wie dem Centrum für Hochschulentwicklung, dem Centrum für angewandte Politikforschung, der Gemeinsinn-Werkstatt oder der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. Die Bertelsmann-Stiftung bezahlt zudem sympathische und kompetente Menschen, damit sie geschickt die eine Botschaft präsentieren: „Niedrige Staatsquote – sinkende Löhne – mehr Wettbewerb“
Ich befürchte, dass es bei den „Bertelsmann-Bündnissen für Familie“ vorrangig um die Anpassung der Familie und der Infrastruktur an die wirtschaftlichen Erfordernisse geht. Denn diese Bündnisse kümmern sich eigentlich um die Frage, wie Familie so organisiert werden kann, dass sie die Eltern beim Arbeiten nicht stört. Also: wo und wie können Vater und Mutter ihre Kinder so unterbringen, dass die Familie den Zumutungen der flexibler und wieder länger werdenden Arbeitszeiten gewachsen ist...
Die Schwalmtaler Grünen sehen ein „Bündnis für Familien“ hingegen auch als Möglichkeit, sog. sozial schwache und bildungsungewohnte Familien zu integrieren und bessere Unterstützungsmöglichkeiten für Alleinerziehende, Arbeitslose und Problemfamilien aufzubauen. Dies hat jedoch – so scheint es - bei den Bertelsmännern keine hohe Priorität.
Das Damoklesschwert hängt über allen Kommunen: Die Geburtenzahlen sind rückläufig, vorhandene Infrastrukturen werden überflüssig. Schwalmtals Grüne wollen den Trend mit Familien-Bündnissen stoppen.VON HELGA SEIFERT
Schwalmtal. Schon jetzt müssen vielerorts Kindergärten schließen, Kirchen werden entwidmet, und Schulen verschwinden aus den Stadtteilen. Das Horrorszenario der Zukunft: fast menschenleere Orte, in denen Stillstand herrscht. Die Grünen in Schwalmtal wollen dagegen halten. "Die demografische Entwicklung zwingt uns, intelligente Strategien zu entwickeln, um die Gemeinde auch in Zukunft für die Bürger attraktiv zu gestalten", so ihr Argument. In der nächsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Soziales, Sport und Seniorenangelegenheiten am 24. Oktober im Bürgerhaus in Waldniel soll das Problem thematisiert werden. Kompetenter Referent ist der Bürgermeister von Straelen. Seine Kommune hat bereits Erfahrungen mit einer Lösung gesammelt, für die die Grünen auch in Schwalmtal Mitstreiter suchen: Lokale Bündnisse für Familien.
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Schwalmtal hat mit der Schließung des Krankenhauses einen wichtigen Standortfaktor eingebüßt. Im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen kann die Gemeinde derzeit nur noch das alle Schulformen umfassende Schulangebot in die Waagschale werfen. "Mit zurückgehender Geburtenzahl werden die Kommunen stärker in Konkurrenz treten und gerade um junge Einwohner werben", sagen die Grünen. Sie plädieren dafür, die Infrastruktur für Kinder, Kindergärten und Schulen, möglichst zu erhalten. "Eine ,familienfreundliche Gemeinde’ kann zum harten Standortfaktor werden."
Die Umweltpartei hat zum "Wie" konkrete Vorstellungen entwickelt, damit es nicht bei einem Lippenbekenntnis wie in anderen Städten und Gemeinden bleibt. Ihr Vorschlag: Das "Lokale Bündnis für Familien" soll gute Betreuungsangebote für Kinder, Möglichkeiten für junge Familien, Beruf und Familie zu vereinbaren, familienfreundliche Einkaufsbedingungen bis hin zu verkehrspolitischen Maßnahmen schaffen. Um das Ganze finanzieren zu können, denken die Grünen an eine Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Verbänden. "Für kleine und mittelständische Unternehmen ist es oft nicht möglich, eigene Kinderbetreuung anzubieten, aber gemeinsam mit einem Lokalen Bündnis ist dies durchaus möglich." Vorteil für Firmen, die sich an der Kinderbetreuung beteiligen: Die Mitarbeiter sind flexibler bei den Arbeitszeiten, "ein wichtiges Argument auch im Hinblick auf den schon jetzt eklatanten Fachkräfte-Mangel". Wissenschaftliche Studien belegen den hohen Stellenwert der "Familienfreundlichkeit" bei der Standortwahl. Die ist für Neubürger ebenso von Interesse wie für Unternehmen, die sich ansiedeln wollen. -
/HELGA SEIFERT
Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Viersen Ausgabe: Nr.221 Datum: Freitag, den 22. September 2006 Seite: Nr.19
Information zu einem "Lokalen Bündnis für Familien" in Schwalmtal. Vorgestellt durch einen Referenten mit Praxisbeispiel. Begründung: Schwalmtal zu einer familienfreundlichen Gemeinde zu machen, hat viele Vorteile. Durch die demografische Entwicklung sind Städte und Gemeinden immer mehr gezwungen, sich intelligente Strategien auszudenken, um ihre Kommune in Zukunft für die Bürger attraktiv zu gestalten.
Mit zurückgehenden Geburtenzahlen werden die Kommunen in Konkurrenz treten und gerade um ihre jungen Einwohner werben. Die Infrastruktur für Kinder, unsere Kindergärten und Schulen, soll möglichst erhalten bleiben. Dann wird Familienfreundlichkeit vom "weichen" zum "harten" Standortfaktor. Ein gutes Betreuungsangebot für Kinder, Möglichkeiten für junge Familien, Beruf und Familie zu vereinbaren, bis hin zu familienfreundlichen Einkaufsmöglichkeiten und verkehrspolitischen Maßnahmen gehören dazu.
Für die Gemeinde Schwalmtal, die sich in großer Finanznot befindet, ist es besonders wichtig, Finanzpartner zu finden, die die familienfreundlichen Aktivitäten unterstützen. Da die neue Landesregierung die Mittel für Kindergärten und Jugendeinrichtungen immer stärker kürzt, sind wir gezwungen, intelligente neue Lösungen zu finden. Eine Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Verbänden könnte dazu führen, jetzt noch nicht vorstellbare Projekte zu initiieren. Für Unternehmen kann es sich im Gegenzug sehr positiv auswirken, familienfreundliche Maßnahmen anzubieten. Für kleine und mittelständische Unternehmen ist es oft nicht möglich, eigene Kinderbetreuungen anzubieten, dies scheint aber im Verbund in einem Lokalen Bündnis für Familien durchaus realisierbar.
Lokale Bündnisse für Familie sind:
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Lokale Bündnisse für Familien schaffen:
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Eine kostenlose, professionelle Unterstützung bietet das Servicebüro Lokale Bündnisse für Familie an, das schon viele unterschiedliche Bündnisse beim Aufbau begleitet und beraten hat.
http://www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de
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Auf einem „Familiengipfel“ hat die Bundesregierung gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft festgestellt, was seit langem bekannt ist: Berufstätigkeit und Kinder unter einen Hut zu bringen ist in Deutschland immer noch ein großes Problem. Die Initiative „ Allianz für Familie“, die noch unter der rot-grünen Bundesregierung ins Leben gerufen wurde, will sich dem Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf annehmen. Doch außer warmen Worten und einer einmaligen Anschubfinanzierung für Betriebskindergärten ging vom Gipfel mit Frau von der Leyen bisher kein Signal für eine nachhaltige Verbesserung aus.
Die Kinderkommission von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat in ihrem Bericht vom 17.07.2006 zentrale Forderungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgestellt.
1. Betreuung hat Priorität! Wir wollen einen Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem ersten Lebensjahr einführen.
2. Kostenloses Kindergartenjahr: Kinderbetreuung ist immer noch viel zu oft eine finanzielle Belastung für die Eltern. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern deshalb in einem ersten Schritt ein beitragsfreies Kindergartenjahr. Langfristig wollen wir ein beitragsfreies qualifiziertes Ganztagesbetreuungsangebot für alle Kinder vom 1. bis 12. Lebensjahr.
3. Kinderbetreuungskarte: Wir wollen das Ehegattensplitting in ein Individualsplitting umwandeln und die frei werdenden Finanzmittel in Höhe von rund 5 Mrd. Euro in die Kindertagesbetreuung investieren. Über die Kinderbetreuungskarte erhalten die Eltern vom Bund insgesamt über 2 Mrd. Euro und können damit einen Betreuungsplatz in einer Kindertageseinrichtung ihrer Wahl mitfinanzieren. Je nach Art des Betreuungsplatzes schießt der Bund jährlich bis zu 3.600 Euro zu. Frei werdende Finanzmittel bei Ländern und Kommunen von über 2 Mrd. Euro sollen je nach regionalen Bedarfen in die Infrastruktur für Kinder und Familien fließen.
4. Flexible Arbeitszeitmodelle: Die strikte Trennung von Arbeitsleben und Privatsphäre und die klare Lebensphaseneinteilung in Kindheit und Jugend, Arbeitsleben und Rente verlieren zunehmend an Kontur. Hinzu kommt eine höhere Lebenserwartung. Deshalb brauchen wir eine Entzerrung der starren Dreiteilung von Ausbildung, Beruf und Familiengründung im Lebenslauf und mehr Zeit für Kinder im Alltag.
5. Mehr Ganztagsschulen: Wir wollen mehr Ganztagsschulen in Deutschland. Sie tragen dazu bei, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Das rot-grüne Ganztagsschulprogramm hat hier Impulse gegeben, die leider nicht von allen Ländern genutzt worden. In erster Linie sind Ganztagsschulen aber ein Schritt hin zu einer neuen Bildungsqualität. Ein ganztägiges Angebot fordert pädagogische Innovationen, die Raum für selbständiges, eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten im Team ermöglichen.
6. Modell Lebensphasenteilzeit: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen ein neues Modell der Lebensphasenteilzeit prüfen. Es soll die Anpassung des Arbeitszeitvolumens und der Arbeitsplatzgestaltung an die jeweilige Lebenssituation ermöglichen, um Zeiten für Kindererziehung, ehrenamtliche Tätigkeit oder Pflege von zu Angehörigen ermöglichen.
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Maria Beiten, Ratsfrau von Bündnis 90/Die Grünen in Schwalmtal, hat die Familie dem Studium vorgezogen. Mit fast 20-jähriger Verspätung holte sie Versäumtes nach und engagiert sich jetzt für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. VON HELGA SEIFERT
Familienministerin Ursula von der Leyen spricht Maria Beiten aus der Seele. Obwohl die beiden Frauen politisch Welten trennen - die eine ist CDU-Regierungsmitglied, die andere Ratsfrau der Grünen in Schwalmtal - "verfolgen wir doch bei das selbe Ziel: Wir kämpfen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und wollen so dem Kindermangel in Deutschland begegnen", sagt Maria Beiten.
Die 41-Jährige weiß, wovon sie spricht. Sie hat drei erwachsene Söhne, und sie hat die Erfahrung gemacht: Kindererziehung und Studium oder Beruf lassen sich selten unter einen Hut bringen. Die Öffnung der Gymnasien für alle und der Run der jungen Frauen auf die Hochschulen erfordern seit langem ein Umdenken in der Familienpolitik. Maria Beiten: "Ich sehe das an meinen Söhnen und ihren Partnerinnen. Die haben alle eine qualifizierte Ausbildung und wollen ihren Beruf nicht aufgeben."
Maria Beiten hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, bessere Bedingungen für junge Frauen zu schaffen. Konkret denkt sie dabei an lokale Bündnisse für Familien. Partner aus Politik und Verwaltung, Unternehmen, Kammern, Gewerkschaften, freie Träger, soziale Einrichtungen, Kirchen und Privatinitiativen in Schwalmtal sollen sich zusammentun und ein Netzwerk für eine familienfreundliche Kommune bilden. Alle gemeinsam könnten den Aufbau von Familienzentren bewirken - "eine Art Kindertagesstätte, die das anbietet, was früher die Großfamilie geleistet hat", erläutert die 41-Jährige. Sie ist überzeugt, dass ehrenamtliches Engagement und größere Flexibilität der Behörden das Ganze auch finanzierbar machen. "Es gibt sicher Frauen in unserer Gemeinde, die als Tagesmütter einspringen würden, wenn Familien kurzfristig keine Betreuung haben." Großeltern könnten Familienpatenschaften übernehmen und Eltern entlasten - auch mal am Feierabend. Erziehungsberatung und Sprachförderung sollten in den Familienzentren angeboten werden, "damit zeitaufwendige Wege entfallen und auch solche Kinder von der Förderung profitieren, deren Eltern von sich aus nicht aktiv würden".
Die diplomierte Betriebswirtin setzt dabei auch auf die Vorteile für mittelständige Unternehmen. "Warum sollen sich Betriebe nicht in Kindertagesstätten einkaufen und so ihren Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern sichern?" Gerade für kleine Betriebe werde es in naher Zukunft immer schwieriger, Fachkräfte zu finden. Maria Beiten: "Familien sind an den Ort gebunden. Eltern springen als Arbeitnehmer nicht so schnell ab." Eine familienfreundliche Kommune verfüge über einen Standortvorteil, nicht nur unter personalpolitischen Aspekten: "Irgendwer soll das Produzierte ja auch kaufen. Aber ohne Kinder gibt es auch keine Kunden." (Rheinische Post vom 12. Juni 2006)